Was ist eine Funkwolke?
Hinter dem plastischen  Begriff Funkwolke verbirgt sich eine hochmoderne Internet-Technik, die regional zum Einsatz kommt. Die Installierung des Datenhighways funktioniert ohne Aufgrabungen, Kabelsalate, landschaftsverschandelnde Sendemasten. Funk-LAN (local area network) ist im Frequenzbereich von 2,4 Gigahertz angesiedelt: Ein international freigegebener, aber vielfach noch ungenützter Funkbereich, ohne komplizierte Bewilligungspflichten. Beeindruckend an dieser neuen Technik ist die Geschwindigkeit der Datenübertragung. Innerhalb der Funkwolke werden die Informationen 30 bis 40 mal schneller weitergegeben als über ISDN-Leitungen. Funk-LAN erreicht eine Bandbreite von 2 Megabit pro Sekunde. Zum Vergleich: Das beste Modem erreicht gerade 56 Kilobit pro Sekunde, 64 schafft eine ISDN-Leitung. Der Teilnehmer nutzt das System im regionalen Bereich und hat über den Netzanbieter den raschen und auch billigeren Zuang zum Internet, allerdings mit der üblichen Geschwindigkeit.
Der Manager setzt sich in der Mittagspause mit seinem drahtlosen Laptop in die grüne Wiese - bleibt dabei aber online mit seiner Firma verbunden. Er kann aber auch im Wald oder auf einer Parkbank im Internet surfen.
Eine Funkantenne in der Größe einer Zigarettenschachtel macht's möglich. Dieses verrückte Szenario ist schon verwirklicht: Im weststeirischen Bezirk Voitsberg. Über Teilen der Region schwebt seit Jahresbeginn eine Funkwolke. Selbst die pfiffigsten EDV-Techniker bei der Post, pardon Telekom, wissen auf KURIER- Anfrage von dieser neuen intelligenten Möglichkeit des Datenaustausches nichts und vermuten glattweg eine üble Scherzfrage.
Seit Jänner wird das System zwischen Voitsberg, Köflach und Bärnbach aufgebaut und weiterentwickelt. West-Net nennt sich die anbietende Firma. Vier EDV- Freaks hatten die Idee eines regionalen Funknetzes. Die vier Gesellschafter der Firma tun das in ihrer Freizeit, haben sie doch alle nebenbei Hauptberufe: Als Beamter, Journalist und Angestellter in der Privatwirtschaft.
In der technologiefreundlichen Steiermark werden Heinrich Schwienbacher, Heimo Kos, Dipl.Ing. Robert Rucker und Günter Rathswohl derzeit als Internet-Pioniere abgefeiert. ,,Seit Jahresbeginn bauen wir auf und haben sicher schon l000 Stunden Arbeitsaufwand investiert'', sagt Schwienbacher. Übrigens bisher ohne einen Groschen an EU- und Landesförderungen.
Komplett vernetzt - und zwar ohne Kabel
Was ist unter der Voitsberger Funkwolke möglich? ,,Wir bieten dem Kunden alles aus einer Hand, schnüren ein Gesamtpaket von der Technik bis zum web-marketing'', erläutert Dipl. Ing. Rucker. Das Paket umfaßt Hardware, "Software-Schmankerl", Fest- und Funknetzinstallation, Gestaltung und Aufbau von Intemet-Seiten sowie die Beteiligung an einem regionalen Informationssystem für den Bezirk. Von Sport über Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Politik sollen alle wichtigen Daten präsentiert und vernetzt werden.
Das Quartett operiert von einem Büro im Bärnbacher Rathaus aus. Am Dach des Gemeindebaus ist eine kleine Funkantenne installiert. Verstärkung kommt auch von hoch oben: Von der Ruine Voitsberg.
Gerade der Bezirk Voitsberg ist geographisch und verkehrspolitisch schlecht an den Wirtschaftsraum Graz angebunden. ,,Wir verwirklichen jetzt wenigstens den Datenhighway'', sagt Schwienbacher.
Wer profitiert von West- Net am meisten? Firmen mit einer Filiale in der Region ersparen sich künftig hohe Standleitungskosten. Videokonferenzen sind ebenso möglich wie das Sichtbarmachen von Regionalpolitik auf homepages und Bürgerbeteiligung über Chatrooms. Telearbeiterinnen bleiben von Zuhause aus mit ihrer Firma via Funk verbunden. ,,Der Hauptnutzen liegt im Intranet, in der virtuellen Zusammenarbeit. Aus einem Bezirk wird praktisch eine große Firma'', beschreibt
Rucker. Wer online-Kosten von mehr als 4000 Schilling hat, steigt bei West-Net pauschal günstiger aus. Der verschlüsselte Datenaustausch wird auch angeboten.
Das steirische Pionierprojekt ist ausbaubar. Benachbarte Bezirke können sich einloggen. Schwienbacher schildert seine Vision: ,Auch die Mobil- und Festnetztelefonie könnten künftig innerhalb einer regionalen Funkwolke angeboten werden, sobald die Kosten kalkulierbar und marktfähig sind.''
Quelle Kurier